Comics in Serie, Teil 5

Teil 5

Passend zum Start des Seriencamp-Festivals kommt hier der 5. Teil meiner Geschichte der Comics auf der Mattscheibe.

Was blieb uns erspart?
Im Laufe der Zeit gab es viele TV-Projekte, die früh scheiterten. In den meisten Fällen, ist das vielleicht auch ganz gut so.
Der Urvater der Comicserien, „The Adventures of Superman“, wurde nicht mangels Erfolg eingestellt, doch nachdem gleich 2 Darsteller, nämlich Perry-White-Darsteller John Hamilton und dann auch noch der Titeldarsteller himself George Reeves, überraschend starben, mussten die Produzenten das Handtuch werfen. Doch zügig sollte es mit neuen Projekten weitergehen. Neben einer Serie über „Superman’s Pal Jimmy Olsen“, war auch eine erste „Adventures of Superboy“-Serie angedacht, für welche ein Pilotfilm gedreht und Drehbücher für eine Staffel fertiggestellt wurden. Doch vom Sender gab es kein grünes Licht.
Ähnlich erging es „Wonder Woman“, die 1967 nach dem Erfolg der „Batman“-Serie ins Fernsehen sollte. „Planet der Affen“-Girl Linda Harrison sollte die Amazonenkriegerin spielen, doch mehr als ein Präsentations-Pilot wurde nicht aufgenommen.
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In den 70ern versuchte David Bowies damalige Frau Angela eine Marvel-Serie auf die Beine zu stellen. Mit dem Einverständnis von Stan Lee, entwickelte sie ein Konzept zu eine Agentenserie mit Angela Bowie als Black Widow und Ben Carruthers als ein nicht-blinder Daredevil. Über ein paar Fotos der beiden im Kostüm, ging das Ganze aber nicht hinaus.
Nach dem großen Erfolg des Hulks im Fernsehen, sollten weitere Projekte folgen. Philip DeGuere, später Autor von „Simon & Simon“, entwickelte eine Serie mit Peter Hooten als „Doctor Strange“ (welcher mit Benedict Cumberbatch nun auch ins Kino kommen soll). Der Pilotfilm schaffte es auf CBS, lief dort aber mehr schlecht als recht und so blieb es dabei. 1986 kam der Film in Deutschland auf VHS raus. Ähnlich erging es Reb Brown als „Captain America“, der nach dem Pilotfilm, zumindest noch einen 2. TV-Film mit Christopher Lee als Gaststar bekam.
1980 wollte ABC, im Zuge des großen Erfolges von „Superman“ mit Christopher Reeve, eine „Superboy“-Serie ins Fernsehen bringen, doch DC schlug den Vorschlag aus – im Kino lief es ja gerade deutlich besser. So gab es hier also nur eine grundsätzliche Idee – aus dieser entwickelte A-Team-Erfinder Stephen J. Cannell die in Deutschland nie gelaufene Serie „The Greatest American Hero“, welche dann auch von DC wegen der Ähnlichkeiten zu Superman und Co. verklagt wurde.
Auch Spider-Man sollte in den 80ern auf den Bildschirm zurückkehren. Hulk-Darsteller Bill Bixby wollte mit dem 70er-Jahre Spidey Nicholas Hammond eine gemeinsame Serie starten. Spider-Man sollte diesmal schwarz tragen, wie in den Post-„Secret Wars“-Comics bei Marvel. Doch durch Rechteprobleme, Hulk lag bei Universal, Spider-Man bei Columbia, war das Projekt schnell im Aus gelandet. Eine weitere Marvelfigur,„Daredevil“, ist durch die Netflix-Serie inzwischen ein großer Star unter den Superhelden. Ihn ins Fernsehen zu bringen, haben vorher viele versucht. Mark Evanier, ein Schüler Jack Kirbys arbeitete in den 80ern für diverse Trickserien und bekam den Auftrag, nach dem Erfolg vieler anderer Marvel-Animationen, eine Daredevil-Serie zu kreieren. Er wollte Daredevil, der in den Comics inzwischen zur düsteren Frank-Miller-Figur wurde, wieder zu seinen 60er-Jahren-Anfängen führen und ihm sogar einen Sidekick zur Seite stellen, einen Superhund namens „Lightning“. Das Projekt wurde nie aufgenommen. Einen Auftritt bekam Daredevil aber im Fernsehfilm „Der unheimliche Hulk vor Gericht“, gespielt von Rex Smith. Schnell kam man auf die Idee, dieser Figur ihre eigene Live-Action-Serie zu geben – aber ähnlich schnell landete diese Idee auch im Papierkorb.

Genauso erging es „She-Hulk“, die im Zuge des „Hulk“-Erfolgs eine Fernsehserie bekommen sollte. Geplant war, dass sie quasi den Staffelstab im Film „Der Tod des unheimlichen Hulk“ übernehmen sollte doch daraus wurde nichts, genauso wenig, wie ein Nachfolgeprojekt, bei welchem auch Bill Bixby und Lou Ferrigno als Gäste auftreten sollten. Baywatch-Nixe Mitzki Kapture sollte Jennifer Walters spielen, die sich in die (im TV nicht grün sondern gold-farbene) Gabrielle Reece als She-Hulk verwandeln sollte.

Zumindest als Pilot schaffte es die „Justice League of America“ ins Fernsehen, sogar in Deutschland auf RTL. Ohne die großen Drei, Superman, Batman und Wonder Woman, aber immerhin mit dem Flash, Green Lantern, J’onn J’onzz und The Atom kämpften sie gegen den Wetterterroristen Weather Man, gespielt von Miguel Ferrer. Das Konzept war aber nicht mal ansatzweise ein Erfolg.
1999 dachte man bei Warner über eine Serie zum jungen „Bruce Wayne“ nach. „Der Gigant aus dem All“-Autor Tim McCanlies entwickelte ein Konzept, dass bei den Sendern sehr gut ankam. Gerüchten zufolge sollte Shawn Ashmore den jungen Bruce Wayne spielen, Michael Rosenbaum, der Lex Luthor aus „Smallville“, sollte Harvey Dent werden und David Krumholtz („Numb3rs“) ein junger Jim Gordon. Doch Warners Pläne für ein Neustart der Batman-Kinofilme kam dazwischen und so entwickelte man die Idee weiter und änderte sie auf die Jugendjahre von Clark Kent – „Smallville“ – und auch die neue „Gotham“-Serie basiert natürlich auf der Idee dieses Konzepts.
Apropos „Smallville“, im Laufe der Serie tauchten dort viele weitere Helden auf, besonders Justin Hartley als Green Arrow erfreute sich besonderer Beliebtheit. Mit ihm, aber in einer ganz anderen Heldenrolle, wurde für die Saison 2007 ein Pilotfilm gedreht. Hartley spielte Aquaman, an seiner Seite waren Lou Diamond Phillips und Ving Rhames. Der Titel der Serie stand noch nicht fest, „Aquaman“ oder „Mercy Reef“ oder „Tempest Keys“. Der Pilot schaffte es zumindest als „Smallville“-DVD-Bonus an die Öffentlichkeit. Ebenfalls zum Cast gehörte Adrianne Palicki. Sie sollte 2011 einen Einsatz als „Wonder Woman“ erleben. David E. Kelley, einer der TV-Drehbuchstars überhaupt („Picket Fences“, „Chicago Hope“, „Bosten Legal“…), wurde von NBC beauftragt eine neue Serie über die Amazone zu drehen. Liz Hurley wurde als ihre Gegenspielerin gecastet. Doch schon relativ früh kam das aus. Im Netz findet man auf Videoplattformen noch Workprints des Piloten.
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Aktuell sind eine Menge Comicprojekte im Fernsehen geplant, der Erfolg von „Arrow“, „Daredevil“ und Co. verschafft vielen Helden einen Platz bei den großen Networks, den kleineren Kabel-Sendern und im Pay-TV. Aber bei dieser Masse an Projekten und Ideen ist es klar, dass noch viele Ideen auf der Strecke bleiben werden.

(Fotoquelle: Getty Images/Terry O’Neill)

Schon gewußt?

Batmans Butler Alfred war in seinen ersten Auftritten ein sehr rundlicher Zeitgenosse und rasiert. Durch die Beliebtheit der eher schlaksigen Variante in den Batman-Kinoserials, dieser trug einen Oberlippenbart, änderten auch die Comicautoren ihren Alfred in die dünne Version mit Bart. Sie schickten ihn in eine Abspeckkur. Nachlesen kann man das z.B. in Paninis DC Archiv Edition 9. 
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Comics in Serie, Teil 4

Teil 4

Passend zum Start des Seriencamp-Festivals kommt hier der 4. Teil meiner Geschichte der Comics im TV.

Nach einem inzwischen seltenen Ausflug der Comics in den Sitcom-Bereich, mit der Archie-Spinoff-Serie „Sabrina – Total verhext“ mit Melissa Joan Hart, kam relativ viel, was heute, meist nicht zu Unrecht, vergessen wurde: Da gab es „Conan“ mit Ralph Möller, „The Crow“ mit Mark Dacascos, „Largo Winch“ als internationale Koproduktion und mehrere Versuche „Human Target“ ins Fernsehen zu bringen. Ähnlich schnell vorbei war es mit „Witchblade“ oder Terminatrix Kristanna Loken in „Painkiller Jane“.
Erst 2001 sollte Superman mal wieder die Comics im Fernsehen retten – und dabei kam er selbst nicht mal vor. In „Smallville“ wurden noch einmal die Jugendjahre von „Superman“ erzählt. Diesmal aber nicht im Kostüm, wie in „Superboy“. Tom Welling als Clark Kent war eher der Held einer für damalige Zeiten nicht unübliche Teen-Serie, ähnlich wie „Dawson’s Creek“. Ganze 10 Staffeln erreichte „Smallville“ und ist damit eine der langlebigsten Comicserien überhaupt. Mit der Zeit entwickelten sich die Geschichte mehr und mehr Richtung Comic, andere Helden, wie „Green Arrow“, „Hawkman“ und andere wurden eingeführt.
Ein Fernsehphänomen sondergleichen startete 2010. Nach der Zombiereihe „The Walking Dead“ von Robert Kirkman, stellte der ausgezeichnete Filmemacher Frank Darabont eine Pay-TV-Serie auf die Beine, die es schaffte seine Vorlage an Bekanntheit schnell in den Schatten zu stellen. „The Walking Dead“ läuft bis heute, schaffte gerade mit „Fear the Walking Dead“ sogar ein Spinoff und scheint von Jahr zu Jahr nur erfolgreicher zu werden.
Nachdem die Marvel-Helden im Kino die Superhelden zu einer neuen Beliebtheit verhalfen, sollten die Superhelden auch ins Fernsehen zurückkehren – im großen Stil. Warner/DC begannen mit „Arrow“ ein TV-Universum aufzubauen, das unter der Federführung von Greg Berlanti und Andrew Kreisberg seitdem wächst und gedeiht. „Arrow“ sollte „Flash“ folgen, der 1990 eine kurzlebige, aber unter Fans beliebte Serie hatte und nun seinen Durchbruch feiert. John Wesley Shipp, der Flash der 90er, durfte als Vater des neuen Flash, gespielt von Grant Grusin zurückkehren. Und der ewige Skywalker Mark Hamill wiederholte sogar seine Rolle als „Trickster“ in der neuen Serie. Eine gemeinsame Spin-Off-Serie „Legends of Tomorrow“ soll bald folgen und mit „Gotham“ und der leider schon eingestellten „Constantine“-Serie sowie der kommenden „Supergirl-„Serie baut DC seine Fernsehtätigkeit sukzessive aus, was Geschäftsanalysten als cleveren Gegenzug zu Marvels Kinoaktivitäten ansehen.
Marvel folgt natürlich ins TV, dort allerdings stärker eingebunden in das bestehende und ungemein erfolgreiche Kinouniversum. Als Ableger zu den „Avengers“ schuf Regisseur Joss Whedon selbst die Serie rund um die „Agents of SHIELD“ mit Clark Gregg, der hier seine Kinorolle als eigentlich verstorbener Agent Coulson wieder aufnahm. Und sogar Samuel L. Jackson, der Kino-„Nick Fury“, beehrt die Fernsehagenten regelmäßig mit Gastauftritten. Peggy Carter, die Frau im Leben von Captain America, erzählt ihre Nachkriegsabenteuer in „Agent Carter“, natürlich wieder gespielt von Hayley Atwell. Obwohl Atwell inzwischen nicht nur beim Captain, sondern auch bei „Ant-Man“ einen Auftritt hatte, und weitere werden wohl folgen, waren die Quoten der Serie eher mau. Dennoch wird sie fortgesetzt.
Netflix baut derweil sein eigenes, düsteres Marvel-Serienuniversum auf. Mit „Daredevil“ mit Charlie Cox schafften sie bereits eine umjubelte Staffel, der nun „Jessica Jones“ sowie „Luke Cage“, „Iron Fist“ und dann alle zusammen in der Teamserie „Defenders“, folgen sollen. Wir sind gespannt.
AMC bringt eine von Seth Rogen und Evan Goldberg entwickelte Verfilmung des „Preacher“ von Garth Ennis mit Dominic Cooper ins TV. Es wird nicht die letzte Serie sein. So aber zeigen sich die Comicthemen mit Superhelden, Zombies, Agenten, abgehalfterten Predigern usw. im Fernsehen diversifizierter, als aktuell auf der Leinwand. Diskussionen über eine Übersättigung der Zuschauer, gibt es im Fernsehen natürlich nun auch. Doch sind sie hier durch die Unterschiedlichkeit der Stoffe weniger relevant als im Kino.

Schon gewußt?

Der Begriff „Yellow Press“ entstammt einem Comic. Der erste moderne Comic war Ende des 19. Jahrhunderts „The Yellow Kid“ in den Zeitungen von William Randolph Hearst. Die Figur war so beliebt, dass ein wahrer Krieg um die Veröffentlichungsrechte tobte und Hearst begann die Figuren sogar auf den Nachrichtenseiten einzuarbeiten. Diese Vermischung ernster Nachrichten mit Entertainment wurde daraufhin als „Yellow Press“ oder auch „Yellow Kid Press“ kritisiert. 

Comics in Serie, Teil 3

Teil 3

Passend zum Start des Seriencamp-Festivals kommt hier der 3. Teil meiner Geschichte der Comics im Fernsehen.

1993, Superman war in den Comics gerade vom Monster Doomsday getötet worden, begann man auf ABC (und in Deutschland auf Pro7) ein neues Kapitel des berühmtesten Helden: „Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark“ konzentrierte sich stärker auf das Reporterteam Clark Kent und Lois Lane, hier gespielt von Dean Cain und der späteren Desperate Housewife Teri Hatcher. Die Auftritte Supermans wurden in der Serie möglichst kurz gehalten. Er kam hauptsächlich als ein Bestandteil im romantischen Dreiecksverhältnis vor oder als Deus Ex Machina, um am Ende den Tag zu retten. Die Serie erinnerte weniger an klassische Abenteuer und mehr an erfolgreiche Serien wie „Remington Steele“ oder „Moonlighting“, nach dem Motto: Kriegt sich das Hauptdarsteller-Pärchen oder nicht? Sie kriegten sich und damit war dann auch leider die Luft raus und „Lois und Clark“ wurde Teil der TV-Historie.

Ein besonderes Schmankerl erwartete die Comicfans 1992, als auf Fox „Batman – The Animated Series“ startete. Nachdem über JaBatman Adventureshre eher günstig produzierte Superheldentrickserien im Kinderprogramm liefen, machten sich Bruce W. Timm und Eric Radomski daran, dieses Genre zu revolutionieren. Im Zuge des Erfolgs der Tim-Burton-Batman-Filme entwickelten sie für die Serie einen außergewöhnlichen Stil: Das ganze Setting sollte wirken, wie beim klassischen Film Noir, Gebäude wurden ans Art Deco-Design angelehnt und mit einer innovativen Technik, bei welcher die Hintergründe auf schwarzen Backgrounds gezeichnet wurden, wirkte die Serie düsterer als alle Vorgänger. Dazu gesellten sich hervorragende Autoren, wie Paul Dini oder Altmeister Denny O’Neil und die kongeniale Orchestermusik von Danny-Elfman-Schützling Shirley Walker. „Batman – The Animated Series“ wurde ein großer Erfolg und beeinflusste mit beliebten neuen Figuren, wie Jokers Freundin Harley Quinn (die bald sogar auf die große Leinwand kommt) oder der Polizistin Renee Montoya sogar die regulären Comics. Nach der noirischen Batman-Serie folgte vom gleichen Team natürlich ein strahlender Superman, angelehnt an die großartigen frühen Fleischer-Cartoons, und die Justice League bzw. Justice League Unlimited, die mit Versatzstücken der Sci-Fi-Literatur, wie von H.G. Wells, spielten und mit übergreifenden Handlungssträngen auch die moderne Serienerzählweise im Zeichentrickuniversum einführten. Und noch eine Besonderheit: Autoren-Enfant-Terrible Alan Moore, der mit den Verfilmungen seiner Comics, wie „From Hell“, „Watchmen“ etc. nichts zu tun haben möchte und seine Namensnennung regelmäßig untersagt, erlaubte ausdrücklich die Verwendung seines Namens in den Credits der „Justice League“-Folge „Für den Mann, der alles hat“, einer Adaption seines Superman-Comics „Das Geschenk“, die er für ausgesprochen gelungen hielt.
Im Zuge des großen Erfolges dieser Serien brachte auch Todd McFarlane seinen „Spawn“ als ultra-brutale Trickserie bei HBO unter. Hierfür wurde dann auch auf Kreative der Batman-Serie, wie Radomski, zurückgegriffen. Das Ganze war dann bei den Fans auch deutlich beliebter, als der „Spawn“-Kinofilm.

Schon gewußt?

Patricia Highsmith, berühmte Autorin von vielfach verfilmten Thriller-Romanen, wie „Der Fremde im Zug“ (verfilmt von Hitchcock) oder den Tom-Ripley-Romanen („Der talentierte Mr. Ripley“) war vor ihrer großen Karriere eine Comicautorin. Ende der 1940er gehörte sie zum Autorenteam von Fawcett Comics, einem damals großen Verlag, der mit Captain Marvel den erfolgreichsten Superhelden am Kiosk vorweisen konnte.


					

Comics in Serie, Teil 2

Teil 2
Passend zum Start des Seriencamp-Festivals kommt hier der 2. Teil meiner Geschichte der Comics in der Glotze.

Mit Superhelden in Live-Action-Serien ging es in den USA erst Anfang der 70er weiter (in Frankreich gab es inzwischen eine 3 Jahre laufende Serie über Charliers und Uderzos „Tanguy und Laverdure“) Das eigentliche Trickstudio Filmation brachte den inzwischen zu DC Comics verkauften Captain Marvel in „Shazam“ auf die Mattscheibe. Fast gleichzeitig erreichte Spider-Man als reale Serie das Fernsehen in Amerika und Japan. In beiden Ländern wurde die Spinne auf das Publikum losgelassen und unterschiedlicher konnten die Versionen nicht sein. In Amerika relativ klassisch verfilmt mit Nicholas Hammond als Wandkrabbler (in Deutschland sind eher die Filmversionen zur Serie bekannt), in Japan, produziert vom Studio Toei, als Verbrechensbekämpfer mit einem Riesenroboter und damit Vorbild für viele sogenannte Sentai-Serien, als ein Vorgänger der „Power Rangers“.
Bis heute beliebt ist auch die 1975 gestartete „Wonder Woman“-Serie mit Lynda Carter, die in Deutschland erst in den 1990ern auf RTL gezeigt wurde. Ihr voraus ging ein Pilotfilm, in welchem noch Cathy Lee Crosby die Amazonin spielte.
Ein Meilenstein der Fernsehcomics begann 1978, als Universal den „Hulk“ ins Fernsehen brachte. Es sollte eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem grünen Riesen werden. Bill Bixby und Lou Ferrigno spielten die zwei Seiten von Marvels Goliath. Ein paar Freiheiten wollten sich die Macher nehmen – Ein paar bekamen sie durch, wie die Namensänderung von Bruce in David Banner (die Macher wollten comictypische Alliterationsnamen vermeiden) – andere nicht: So sollte der Hulk in der Serie beim Wutausbruch rot werden, doch es blieb beim klassischen Grün. Die Serie wurde ein großer Erfolg und mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Keine Serie in einer solchen Qualität sollte so schnell folgen.
Die 80er waren dann auch mehr geprägt von neuen Trickversionen. Neben neuen Heldenabenteuern, kamen verstärkt die Zeitungs- und Funnyfiguren zu ihrem Recht. Erfolgreiche TV-Reihen zu Garfield und den Peanuts kamen ins Fernsehen und Carl Barks Entenabenteuer wurden in „Disney‘s DuckTales“ umgesetzt. Gleichzeitig schafften es auch die eigentlich grimmigen „Teenage Mutant Ninja Turtles“ als familienfreundliche Actiontrickreihe zu neuer Bekanntheit als Fernsehserie. Ende der 80er, anknüpfend an die erfolgreiche Superman-Kinoreihe, spielten John Haymes Newton und Gerard Christopher den Stählernen als Teenie in „Superboy“, ein Konzept das in den 2000ern nochmal neu aufgegriffen werden sollte (zu „Smallville“ kommen wir noch). Und mit „Geschichten aus der Gruft“ schafften es die berühmt-berüchtigen EC-Horrorcomics ins Fernsehen, inszeniert und gespielt von Hollywoods A-Mannschaft, wie Walter Hill, Robert Zemeckis und vielen anderen.

Als eine Art Familienprojekt plante Terence Hill eine Verfilmung von Morris‘ und Goscinnys „Lucky Luke“, Hill spielte die Hauptrolle und führte Regie, seine Frau Lori produzierte und Adoptivsohn Ross („Renegade“) sollte Billy the Kid spielen. Ross starb kurz vor den anstehenden Dreharbeiten tragisch bei einem Autounfall. Im Gedenken an ihn und um der Depression zu entgehen, setzte Terence Hill das Projekt fort. Und so erschien 1991 der „Lucky Luke“-Pilotfilm im Kino, gefolgt von einer acht-teiligen Serie im ZDF. Die Figur des Billy the Kid wurde nicht neu besetzt.

Fortsetzung folgt…

Schon gewußt?


Patrick Stewart war als Professor X nicht der erste „Next Generation“-Schauspieler, der als Marvel Figur auftrat. Bevor er als Commander Riker bekannt wurde, spielte Jonathan Frakes auf Conventions Captain America. Einfach mal googeln: Dazu gibt es schöne Fotos!

Comics in Serie, Teil 1

Comics in Serie (Teil 1)

Ein ungewöhnliches Event steht in München an: Das Seriencamp, das erste Festival für Fernsehserien. Eine gute Gelegenheit mal zurück zu schauen auf die Historie von Comics im Fernsehen.

Schon bevor das Fernsehen seinen großen Durchbruch hatte, gab es Helden in Serie. Superman wurde durch die legendäre Radioserie und die Cartoon-Reihe der Fleischer-Brüder erst richtig berühmt und definiert. Hier lernte er das Fliegen und entdeckte wie gefährlich Kryptonit für ihn ist. Kirk Alyn übernahm die Rolle des Stählernen in der Serial-Reihe im Kino, wo bereits „Flash Gordon“, „Dick Tracy“ oder „Batman“ Erfolge feierten.

Superman, gespielt von George Reeves, startete in „The Adventures of Superman“ 1952 zunächst in Schwarz/Weiß und dann in Farbe als Fernsehserie, die damals eher für ein Kinderpublikum gedacht war. Bis dahin gab es nur die kurzlebige „Dick Tracy“-Serie auf ABC. Superman sollte für Jahre der einzige Held in der Röhre bleiben. Wir befanden uns in der Zeit des Niedergangs der Superhelden, herbeigeführt durch Verunglimpfungen der Helden (siehe Seduction of the Innocent) und auch das Interesse an anderen Stoffen, wie Romantik, Western oder Comedy im Comic, war in dieser Zeit höher. Kein Wunder also, dass „Superman“ kein anderer Held folgte, sondern „Dennis the Menace“ als Realserie, 1959 und „Die Addams Family“, 1964, die auf einer Cartoonreihe des Magazins „New Yorker“ basiert.

Das Silver Age mit den neuen Inkarnationen vom Flash oder Green Lantern und den neuen Marvel-Figuren, brachte die Helden wieder zurück – auch ins Fernsehen. Die Legende besagt, dass ein ABC-Manager eines Abends den Playboy Club Chicago besuchte, zu einer Vorführung alter Batman-Serials. Ähnlich wie die Darbietungen der „Rocky Horror Picture Show“, waren solche Aufführungen zu beliebten Happenings geworden und das Publikum amüsierte sich zahlreich über die trashigen Verbrechensbekämpfer. Sowas könnte doch auch im Fernsehen funktionieren?
„Batman“ mit Adam West und Burt Ward wurde zum absoluten Kult, vor allem dank der unglaublichen Schar an Bösewichten in knallbunten Settings. Man denke nur an Cesar Romero als Joker, der sich nicht den Schnauzbart rasieren wollte und dieser einfach weiß überschminkt wurde. Daneben machte sich „The Green Hornet“ mit seinem Partner Kato, gespielt von Bruce Lee, auf Verbrecherjagd. „Green Hornet“ geht allerdings nicht auf einen Comic zurück, sondern begann als Serial. Batman und Green Hornet trafen sich aber sogar zu einem Crossover.
Daneben gab es natürlich eine Vielzahl von Animationsprojekten, basierend auf beliebten Comicserien. Raymond Leblanc, einer der Gründer des Verlages Lombard, brachte mit seinem Studio Belvision „Tim und Struppi“ ins Fernsehen. Jahre später sollte er im Kino mit den Asterix-, Lucky Luke-, Tim & Struppi- und den Schlumpf-Kinofilmen große Erfolge feiern.
In Amerika nahm Marvel nach dem großen Erfolg ihrer neuen Heftserien auch den Weg ins Fernsehen – mit leidlich animierten Serien zum „Hulk“, „Thor“ oder „Iron Man“. Einen wirklichen Erfolg schafften sie aber erst 1967 mit „Spider-Man“ („does whatever a Spider can“), der aufwendiger produziert war. Parallel brachte Filmation, Dauerrivale der Fred-Feuerstein-Macher Hanna-Barbera, die DC-Helden ins Fernsehen: „Ein Job für Superman“ folgten Abenteuer von Aquaman bis zu Batman. Erst in der Nachwendezeit schafften es diese Serien ins deutsche Fernsehen. Nicht dorthin schaffte es beispielsweise die „Archie Show“, basierend auf der langlebigen Rom-Com-Reihe. Zumindest erreichten sie aber einen weltweiten Plattenhit, denn der Serie entstammt der Bubblegum-Song „Sugar, Sugar“.

Morgen geht’s weiter …

Schon gewußt?

Die junge Wendy Fletcher schrieb einen ausführlichen, kontroversen Leserbrief für Stan Lees erste Silver-Surfer-Serie. Dabei hinterließ sie eine Postanschrift und viele neue Brieffreunde begannen sich mit ihr auszutauschen – wie Richard Pini. Ihn sollte sie später heiraten und gemeinsam entwickleten sie die langlebige Fantasyreihe „Elfquest“ (gibt es jetzt wieder bei Popcom)– Und zusammen gekommen sind Richard und Wendy Pini durch die Leserbriefseiten im „Silver Surfer“ *seufz-schön*

Comic Action 2015

Bald geht es wieder los: Die Comic Action in Essen, Teil der weltgrößten Publikumsmesse für Brett- und Kartenspiele. 15 Comic-Actions konnten wir bereits erleben, eine Zeit voller Veränderungen: Gestartet war sie in einem sich verändernden Comic-Markt. Alben hatten gerade mal wieder ausgedient, der Dino-Verlag (Gott hab ihn selig) mischte das Geschäft auf und neue Spieler folgten ihm, Panini (damals noch als Marvel Deutschland), MG Publishing, Infinity … Alle versammelten sich in Essen, ähnlich wie die alten Platzhirsche Ehapa und Carlsen, die schnell einsehen mussten, dass ihre Heftprogramme weniger attraktiv waren. Sie sahen sich wohl bei den altehrwürdigen Veranstaltungen, wie in Erlangen, München oder Hamburg besser aufgehoben. Und so verließen sie die Comic Action und mit der Zeit wurde das Event kleiner und kleiner. Aus dem großen Obergeschoss-Saal, in welchem alles los ging, wurde es in die unteren Hallen verlegt, irgendwo in die Nähe der Live-Action-Rollenspieler, das wird schon irgendwie passen. Und auch nicht alle zusammen in einem Raum. Panini und Salleck lagen zwar nah an den Händlern, dennoch waren sie räumlich getrennt, was den Eindruck der Größe der Comicaction nochmal verringerte. Auch die jungen Wilden der Comicszene mussten ihren Platz räumen, denn sie hielten am Markt nicht durch. MG, die zu ihrem Ende hin die Comic Action nur noch als Resteverkauf wahrnahmen oder Inifinity, die irgendwann gehen mussten. Und jedes Jahr hörte man die wiederkehrenden Fragen, ob denn nächstes Jahr überhaupt noch eine Comic Action stattfinden würde …? Sie fand statt! Und das haben wir vor allem zwei Verlagen zu verdanken: Panini, die Jahr für Jahr hochkarätige Comicstars aus aller Welt herankarrten – und der unermüdliche Eckart Schott von Salleck. Sie hielten die Fackel der Comic Action aufrecht. Warum? Nun vielleicht, weil sie hier mal ein anderes Publikum antreffen. Kinder, die mit ihren Eltern auf der Spielemesse unterwegs sind und hier die Zeichner und ihre Serien entdecken können. Es laufen auf der Comic Action nicht die immer gleichen Sammlergestalten herum (die natürlich auch), sondern auch Leute, die grundsätzlich an fantastischen Stoffen interessiert sein könnten. Das sahen wohl auch andere so. In den vergangenen Jahren hatte die Comic Action tatsächlich wieder Zulauf bekommen. Splitter, Cross Cult und Tokyopop stießen hinzu und bereicherten mit ihren Gästen und Ständen die Messe. Dieses Jahr sind sie als Comic.de-Stand gemeinsam vor Ort. Und seit ein paar Jahren gibt es für die Comic Action auch einen neuen, passenderen und zusammenhängenden Platz.

Wir sind im 16. Jahr der Comic Action und es gab oft Zeiten, wo man dachte, das würden sie nie schaffen. Sie haben es aber geschafft und wir erinnern uns an große Momente: der früh verstorbene, immer freundliche Michael Turner war hier, Tim Sale, Mark Bagley, Joe Michael Linsner … Und wer erinnert sich nicht mit ein wenig Belustigung und ein wenig Grausen an Simon Bisleys alkoholgeschwängerten Auftritt am Stand von Bela B.s altem Horrorladen EEE? Allein durch ihre Geschichte und unermütliche Veranstalter hat die Comic Action inzwischen auf jeden Fall einen festen Bestandteil in Deutschlands Comic-Historie. Die gerade aufkommenden sogenannten Comic-Cons müssen das erstmal schaffen.

 

Dieses Jahr zu Gast sind:

Bei Panini

Chad Hardin (Harley Quinn)
Scott Koblish (Deadpool)
Francis Manapul (Batman/Flash)
Pop Mhan (He-Man)
Sarah Burrini (Das Leben ist kein Ponyhof)
Marvin Clifford (Schisslaweng)
Schlogger (Star Wars – Spass Wars)
Timo Grubing (Die Toten)
Susanne Korff-Knoblauch (die Toten)

 

Bei Comic.de (Splitter/Cross Cult/Tokyopop)

Gwendal Lemercier (Elfen)
Apriyadi Kusbiantoro (Lemuria)
Jérôme Lereculey (Wollodrin)
Felix Mertikat (Steam Noir)

 

Bei Salleck

Philippe Luguy (Tassilo)

Schon gewußt?

Das Wort "Superhero" ist wurde von DC und Marvel gemeinsam als geschütztes Warenzeichen eingetragen. Dies geschah in den 70ern, als eine Spielzeugfigurenfirma den Begriff eintragen lies und DC und Marvel gemeinsam dagegen vorgingen.